Zitrone

Zitronediestandard.at hat nun offiziell die Binnen-I be gone Erweiterung mittels Zitrone ge(t)adelt – siehe http://derstandard.at/1207285408416/Binnen-I-begins-statt-Binnen-I-be-gone.

Im Folgenden nun eine kurze Stellungnahme dazu:

Zuerst möchte ich mich bei der Redaktion herzlich für die Unterstützung bedanken, dieses Addon einem weiteren Benutzerkreis bekannt zu machen. Leider haben sich aber doch manch kleine Ungereimtheiten in den Text eingeschlichen, die ich im Folgenden etwas zurecht rücken möchte.

So liegt beispielsweise meine persönliche Motivation in der Erstellung der Erweiterung nicht in der generellen Ablehnung des Binnen-Is – es ging mir mehr darum, nachdem in den Foren von derstandard.at immer wieder nach so einer Erweiterung gerufen wurde, meinen Bastlerinstinkt auszuleben & die technische Machbarkeit zu versuchen. Ich selbst habe die Erweiterung die meiste Zeit nicht einmal in Verwendung (außer natürlich zu Testzwecken). Zudem richtet sich die Erweiterung in keiner Weise gegen Formen einer gendergerechten Sprache, welche die männliche und weibliche Form explizit ausschreibt, welche in Texten das Femininum und Maskulinum abwechselnd verwendet oder verstärkt auf geschlechtsneutrale Begriffe setzt. Das steht im Übrigen auch bereits länger so auf dieser Homepage und wurde von mir auch schon bei anderen kritischen Rückmeldungen so kommuniziert. Deshalb wäre es natürlich überhaupt nicht in meinem Sinne, generell weibliche Formen zu blockieren, noch hätte ich das jemals angedacht.

Sprache ist kein abgeschlossenes System, da kann ich der Autorin nur beipflichten. Unterschiedliche Einflüsse kommen und gehen und verändern damit laufend Ausdrucksweisen, Formen und Erscheinungsbild von Sprache. So ist auch das Binnen-I kein statisches Phänomen bzw. der neue „Fixpunkt“ in der deutschen Sprache – so kann man beispielsweise bei Lektüre der taz, der quasi Erfinderin des Binnen-Is Anfang der 80er Jahre, heutzutage kaum mehr Schreibweisen mit Binnen-I in deren Artikeln vorfinden (vgl. http://www.journalistinnen.de/aktuell/pdf/gender/gender_scheub.pdf)

Ähnlich wie mit Sprache verhält es sich auch mit Open Source Software – auch die ist kein abgeschlossenes System und unterliegt Trends, Veränderungen, Anpassungen, etc… Dazu zählt auch Mozilla Firefox mitsamt seinen Erweiterungen – besteht Bedarf nach bestimmter Software, wird sich aller Wahrscheinlichkeit jemand finden, der den Code dafür schreibt. Auch die Binnen-I be gone Erweiterung ist per se nur ein neutrales Stück Software, offen noch dazu. Wer sie mag soll sie benützen, wem sie zu wenig kann soll sie verändern und wem sie überhaupt nicht passt, der soll sie am besten gar nicht erst installieren.

Allerdings möchte ich dieStandard.at einen Vorschlag unterbreiten: Im Moment funktioniert die Erweiterung nach dem Prinzip, dass jede Webseite nach Vorkommen einer Binnen-I-Endung durchsucht wird und diese quasi durch eine herkömmliche Endung ersetzt wird. Im Prinzip ließe sich dieser Algorithmus mit ein paar kleinen Anpassungen auch umdrehen, sodass ein normaler Text mit massenweise Binnen-Is ergänzt wird. Für eine talentierte Hackerin aus Ihren Reihen sollte das kein Problem darstellen – der Quelltext von Binnen-I be gone ist frei verfügbar und jegliche Weiterentwicklung explizit erwünscht!

Abschließend wird im Artikel von dieStandard.at auf eine Bewertung des Addons Bezug genommen, in der davon die Rede ist, dass die Installation von Binnen-I be gone ursächlich für Bluescreens gesorgt hätte. Dem möchte ich entgegnen, dass ich es stark bezweifle, dass der simple Javascript Code in der Erweiterung tatsächlich in der Lage wäre, ein gesamtes Windows-System in die Knie zu zwingen. Falls dem jedoch wirklich so sein sollte, würde ich jedoch sehr darum bitten, sich über die angegebene Support-Adresse bei mir zu melden, damit ich der Sache an den Grund gehen kann – aus der jetzigen Beschreibung lässt sich nämlich so gut wie gar nichts an möglicher Ursache herauslesen.

mfg madperson

btw. für die nächste Zitrone möchte ich bei dieser Gelegenheit gleich die Wikipedia nominieren, die offensichtlich auch eine gemeine Anti-Binnen-I Strategie verfolgt, siehe Link.